Am Samstag, dem 18.02.2012, hieß es für uns kurzfristig um zu disponieren und antatt nach Dresden zu fahren und uns selbst zu feiern, den Nazis in Worms effektiv etwas entgegen zu setzen.
Um 10 Uhr startete ein Bus, organisiert vom Bündnis "Nazis wegschunkeln", vom Hauptbahnhof Koblenz aus in Richtung Worms. An Bord waren hauptsächlich Mitglieder der Linksjugend, Jusos und grünen Jugend, aber auch die Koblenzer Anarchosyndikalisten unterstützten uns.
Pünktlich zur Mittagszeit und eine Stunde vor den Nazis kamen wir mit unserem Grüppchen von 25 Menschen vorm Stadion der Wormatia Worms an und wurden auch schon von einheimischen Antifaschisten in Empfang genommen.
Während die grüne Jugend sich sofort zum Hauptbahnhof aufmachte um ihre geplante Vokü zu eröffnen, setzte sich der Rest der Gruppe in Richtung Nazi-Route in Bewegung. Leider wurden wir schon nach wenigen Metern von einem Mannschaftswagen der Polizei aufgehalten und mussten erst einmal eine Personalienkontrolle über uns ergehen lassen, obwohl wir von der eigentlichen Marschroute noch weit entfernt waren.
Nachdem dann alles geprüft worden war, konnten wir unseren Weg fortsetzen. Allerdings geschah nach wenigen Metern ebenfalls etwas Ungeheuerliches.
Natürlich verfolgten die Polizisten uns jetzt in ihren Mannschaftsbussen und so versuchten wir sie abzuschütteln. Dies gelang uns auch ganz gut, indem wir durch mehrere enge Seitenstraßen liefen, aber als wir dann auf einem etwas offeneren Platz an einer Hauptstraße standen und uns erst einmal ein Lagebild machen wollten, stürmten plötzlich knapp 40 Polizisten, in voller Montur und mit Pfefferspray und Schlagstock bewaffnet, hinter einer Hausecke hervor und direkt auf uns zu.
Ein Teil unserer Leute rannte nun weg, was sich als ziemlich dumm erwies, denn sie wurden jetzt erst recht verfolgt und nach einigen Metern auch eingekesselt und nochmals gründlich kontrolliert. Platzverweise wurden ebenfalls erteilt. Zum Glück kamen sie direkt nach der Verteilung der Platzverweise frei.
Uns, die wir stehen geblieben waren, passierte nichts und wir konnten unbehelligt unseren Weg fortsetzen. Nach mehreren gescheiterten Versuchen schafften wir es dann doch noch, mittlerweile mit ca. 40 Menschen, eine wenig bewachte Stelle am Rande der Naziroute zu durchbrechen und eine Sitzblockade zu errichten. So sahen sich die Nazis gezwungen, einen Umweg zu marschieren.
Unser Dank gilt hiermit noch dem engagierten Pfarrer der Lutherkirche in Worms, der durch dauerhaftes Glockengeläut einer vor der Kirche stattfindenden Kundgebung der Nazis einen gehörigen Strich durch die Rechnung machte. Daher sahen sich die Nazis gezwungen, schon nach 3 Stunden den Rückzug anzutreten. Ab 16 Uhr war Worms wieder nazifrei.
Somit konnten wir nun auch unsere Sitzblockade auflösen und uns unbehelligt Richtung Hauptbahnhof aufmachen, wo dann letztendlich noch eine Spontandemo der Antifaschisten durch die Fußgängerzone stattfand, der wir uns natürlich anschlossen.
Alles in allem kann von einer sehr gelungenen Gegen-Demo gesprochen werden, auch wenn wir wieder wenig Rückhalt durch bürgerliche Anti-Nazi-Bündnisse erfahren haben. Aber den ca. 150 Nazis standen immerhin knapp 400 Antifaschisten im Weg und außerdem konnte unsere Gruppe als Erfolgserlebnis verbuchen, erfolgreich die Naziroute blockiert zu haben.
Außerdem erreichte uns aus Dresden ebenfalls eine positive Nachricht: Der andauernde Naziaufmarsch der letzten Jahre ist seit 2012 nun endgültig Geschichte. Ca. 10.000 Antifaschisten feierten dieses Jahr das erste Mal seit Langem eine nazifreie Stadt am Tag des Gedenkens der Bombenangriffe auf Dresden.
Nun bleibt uns nur noch zu hoffen, dass dieses positive Ergebnis noch lange anhält.
Eure Linksjugend Koblenz





